Risiken & Kritik an ETFs
27. Juni 2025
Lesedauer: 14 Min

Inhaltsverzeichnis
- Warum Sicherheit allein bei der Geldanlage nicht reicht
- Risiken sortieren: Was ist der Unterschied zwischen Einzel- und Marktrisiko?
- Dein wichtigster Erfolgsfaktor: Zeithorizont und diszipliniertes Verhalten
- Klumpenrisiko: Warum dein Welt-ETF so stark auf die USA und Tech setzt
- Wie ETFs einen Index abbilden: Physisch vs. synthetisch im Vergleich
- Spezielle Risiken bei Anleihen-ETFs: Währung und Zinsen verstehen
- Häufige ETF-Mythen im Faktencheck
- Fazit: Risiken managen statt sie zu meiden
27. Juni 2025
Lesedauer: 14 Min
Inhaltsverzeichnis
- Warum Sicherheit allein bei der Geldanlage nicht reicht
- Risiken sortieren: Was ist der Unterschied zwischen Einzel- und Marktrisiko?
- Dein wichtigster Erfolgsfaktor: Zeithorizont und diszipliniertes Verhalten
- Klumpenrisiko: Warum dein Welt-ETF so stark auf die USA und Tech setzt
- Wie ETFs einen Index abbilden: Physisch vs. synthetisch im Vergleich
- Spezielle Risiken bei Anleihen-ETFs: Währung und Zinsen verstehen
- Häufige ETF-Mythen im Faktencheck
- Fazit: Risiken managen statt sie zu meiden
27. Juni 2025
Lesedauer: 14 Min
ETFs sind beliebt, aber nicht ohne Risiken. Dazu gehören das Marktrisiko, das kein ETF ausschalten kann, und das Klumpenrisiko durch eine hohe Konzentration in US-Tech-Werten. Wichtig ist ein langer Anlagehorizont von 10-15 Jahren, um Schwankungen auszusitzen. Eine breite Streuung und das Wissen um Replikationsmethoden helfen dir, sicher zu investieren.
Auf den Punkt
- Ein Aktien-ETF kann zwischenzeitlich kräftig im Wert fallen – wer 10 bis 15 Jahre Zeit mitbringt und nicht in Panik verkauft, hat langfristig die besseren Karten.
- Die breite Streuung in einem ETF senkt die Risiken einzelner Unternehmen, aber das allgemeine Marktrisiko bleibt – dafür wirst du mit Renditechancen belohnt.
- Die hohe Gewichtung von US-Tech-Aktien in Welt-ETFs ist eine Folge der Marktkapitalisierung und kein Fehler, aber du kannst bewusst gegensteuern, wenn es dich stört.
- Ob ein ETF physisch oder synthetisch ist, ist dank EU-Regulierung zweitrangig; wichtiger sind niedrige Kosten, ein seriöser Anbieter und transparente Informationen.
- Teure Versicherungsmäntel oder aktive Fondsverwaltungen können deine Rendite erheblich schmälern, weshalb ein kostengünstiger ETF-Sparplan oft die bessere Wahl ist.
Warum Sicherheit allein bei der Geldanlage nicht reicht
Crashs an der Börse bleiben im Kopf. Viele Menschen haben deshalb Angst, ihr Geld zu investieren, weil sie fürchten, „im falschen Moment“ einzusteigen und alles zu verlieren. Diese Sorge ist verständlich, doch reiner Fokus auf Sicherheit hat ebenfalls seinen Preis.
Ein Tagesgeldkonto fühlt sich sicher an, verliert aber nach Abzug der Inflation oft an Kaufkraft. Dein Geld wird also real weniger wert. Ein Aktien-ETF schwankt zwar im Wert, hat aber das Potenzial, langfristig ein echtes Vermögen aufzubauen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, beides sinnvoll zu kombinieren: einen sicheren Puffer für Notfälle und eine langfristige Investition für deine Ziele.
Risiken sortieren: Was ist der Unterschied zwischen Einzel- und Marktrisiko?
Generell gibt es zwei Risiko-Ebenen, mit denen du am Kapitalmarkt konfrontiert bist. Es ist wichtig, diese zu unterscheiden, um die Funktionsweise von ETFs richtig zu verstehen.
Das Einzelrisiko: Wenn eine einzelne Firma strauchelt
Das Einzelrisiko beschreibt die Gefahr, dass ein einzelnes Unternehmen schlecht wirtschaftet, einen Skandal hat oder sogar insolvent wird. In diesem Fall fällt der Kurs der Aktie dieses Unternehmens stark. Ein ETF hilft dir genau gegen dieses Risiko. Da er in Hunderte oder Tausende verschiedene Unternehmen investiert, fällt der Ausfall einer einzelnen Firma kaum ins Gewicht. Die breite Streuung fängt das Problem auf.
Das Marktrisiko: Wenn die gesamte Börse fällt
Das Marktrisiko betrifft den gesamten Aktienmarkt. In einer Wirtschafts- oder Finanzkrise können die Kurse auf breiter Front einbrechen. Dieses Risiko kann auch der am breitesten gestreute ETF nicht „wegzaubern“. Hier helfen dir nur Zeit, starke Nerven und ein klarer Plan, damit du nicht aus Panik am Tiefpunkt deiner Investition verkaufst. Du akzeptierst das Marktrisiko bewusst, denn dafür wirst du mit der Renditechance des Marktes belohnt.
Dein wichtigster Erfolgsfaktor: Zeithorizont und diszipliniertes Verhalten
Niemand schafft es, dauerhaft die perfekten Ein- und Ausstiegszeitpunkte am Markt zu treffen. Der Versuch, den Markt zu timen, führt oft zu schlechteren Ergebnissen. Viel wichtiger ist es, dass du überhaupt anfängst, dabeibleibst und Schwankungen als normalen Teil des Prozesses akzeptierst.
Ein ETF-Sparplan ist hierfür ein ideales Werkzeug. Er kauft jeden Monat automatisch Anteile für einen festen Betrag. In schwachen Börsenphasen, wenn die Kurse niedrig sind, erhältst du für dein Geld sogar mehr Anteile. Dieser Effekt wird Cost-Average-Effekt genannt. Der beste Ansatz lautet daher: Wähle zuerst die passende Anlagestrategie und automatisiere sie dann, anstatt täglich nervös auf die Kurse zu schauen. Wie du die richtige Mischung findest, erklären wir dir in unserem Ratgeber: Portfolio aufbauen.
Du hast die Risiken verstanden und bist bereit, langfristig zu investieren? Oder du zahlst aktuell hohe Gebühren, mit denen du nicht zufrieden bist? Dann finde jetzt das Depot, das am besten zu dir und deinen Zielen passt.
Klumpenrisiko: Warum dein Welt-ETF so stark auf die USA und Tech setzt
Wenn du dir die Zusammensetzung von Weltindizes wie dem MSCI World ansiehst, fällt auf: Sie sind aktuell stark USA- und Tech-lastig. Das ist kein Fehler oder eine geheime Verschwörung, sondern eine direkte Folge der Marktkapitalisierung. Dieses Prinzip besagt, dass die größten und wertvollsten Unternehmen der Welt automatisch das höchste Gewicht im Index erhalten.
Ein Weltindex ist übrigens ein Aktienindex, der die Entwicklung von Unternehmen aus vielen verschiedenen Ländern und Branchen abbildet – also sozusagen ein „Schnitt“ durch die weltweiten Aktienmärkte. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass die Zusammensetzung solcher Indizes dynamisch ist. Sollten Unternehmen aus anderen Regionen oder Branchen stärker wachsen, verschiebt sich die Gewichtung automatisch dorthin.
Wenn dir diese Konzentration zu hoch ist, kannst du gezielt gegensteuern. Eine kleine Beimischung eines Europa- oder Schwellenländer-ETFs kann für mehr Balance sorgen. Sei jedoch vorsichtig bei speziellen Themen-ETFs, denn sie erhöhen oft unbemerkt das Klumpenrisiko und führen zu Doppelungen der gleichen Konzerne in deinem Depot.
Beispiel für ein Klumpenrisiko durch Themen-ETFs
Stell dir vor, du investierst bereits in einen MSCI World ETF. Dieser enthält große US-Konzerne wie Apple, Microsoft oder Nvidia. Wenn du zusätzlich einen Themen-ETF zum Hype-Thema „Künstliche Intelligenz“ kaufst, sind genau diese Unternehmen dort oft wieder mit einem sehr hohen Gewicht enthalten. Das führt zu einer versteckten Übergewichtung und macht dich noch abhängiger von der Entwicklung weniger Tech-Konzerne.
Wie ETFs einen Index abbilden: Physisch vs. synthetisch im Vergleich
Wenn du in einen ETF investierst, soll dieser möglichst genau die Entwicklung eines bestimmten Index, wie zum Beispiel des DAX oder MSCI World, nachbilden. Dafür gibt es zwei grundlegende Methoden: die physische und die synthetische Replikation.
Physisch bedeutet, der ETF-Anbieter kauft tatsächlich die echten Aktien, die im Index enthalten sind. Ein DAX-ETF hält also Aktien von Siemens, SAP und den anderen Indexmitgliedern. Das ist einfach zu verstehen und gilt als sehr transparent.
Synthetisch bedeutet, der ETF bildet die Wertentwicklung über ein Tauschgeschäft, einen sogenannten Swap, mit einer Bank ab. Der ETF selbst hält dabei oft einen Korb aus ganz anderen Wertpapieren, verpflichtet die Partnerbank aber vertraglich dazu, ihm exakt die Rendite des gewünschten Index zu liefern.
In der EU sind beide Methoden streng reguliert. Synthetische ETFs müssen zum Beispiel Sicherheiten hinterlegen, um das Ausfallrisiko des Swap-Partners zu minimieren.
| Merkmal | Physischer ETF | Synthetischer ETF |
|---|---|---|
| Funktionsweise | Kauft die im Index enthaltenen Aktien direkt. | Bildet den Index über ein Tauschgeschäft (Swap) mit einer Bank nach. |
| Transparenz | Sehr hoch, da die gehaltenen Aktien klar ersichtlich sind. | Etwas geringer, da das Trägerportfolio nicht dem Index entspricht. |
| Tracking-Genauigkeit | Kann leicht vom Index abweichen (Tracking Error). | Oft sehr präzise, da die Indexrendite vertraglich zugesichert ist. |
| Kontrahentenrisiko | Kein direktes Kontrahentenrisiko. | Geringes, reguliertes Risiko eines Ausfalls des Swap-Partners. |
| Empfehlung | Für Einsteiger oft leichter verständlich und der Standard bei großen Indizes. | Kein Nachteil bei seriösen Anbietern; kann bei Nischenindizes Vorteile haben. |
Worauf du bei der ETF-Auswahl wirklich achten solltest
Statt dich in der Debatte „physisch vs. synthetisch“ zu verlieren, konzentriere dich lieber auf die entscheidenden Qualitätsmerkmale. Ein seriöser und etablierter Anbieter wie iShares, Xtrackers oder Vanguard bietet eine solide Basis. Prüfe zudem im Factsheet des ETFs die Gesamtkostenquote (TER), die bei Standard-ETFs idealerweise unter 0,3 % pro Jahr liegen sollte. Ein ausreichend hohes Fondsvolumen von über 100 Millionen Euro reduziert das Risiko, dass der ETF vom Anbieter mangels Nachfrage geschlossen wird. Zuletzt geben dir die im Factsheet ausgewiesenen Top-Positionen und die Länderverteilung klare Hinweise darauf, worin du tatsächlich investierst.
Spezielle Risiken bei Anleihen-ETFs: Währung und Zinsen verstehen
Anleihen-ETFs gelten oft als stabilisierender Anker im Depot. Doch auch hier gibt es spezifische Risiken, die du kennen solltest, insbesondere das Währungs- und das Zinsänderungsrisiko.
Das Währungsrisiko bei Fremdwährungsanleihen
Während sich das Währungsrisiko bei globalen Aktien-ETFs über die Zeit oft relativiert, da die Unternehmen weltweit ihre Umsätze erzielen, kann es bei Anleihen-ETFs stärker ins Gewicht fallen. Wenn der Anleihen-Anteil deines Portfolios vor allem Sicherheit bieten soll, wähle für diesen Teil entweder Euro-denominierte Anleihen oder ETFs mit Währungsabsicherung.
Beispiel: Anna kauft einen US-Dollar-Anleihen-ETF im Wert von 10.000 €. Steigt der Euro gegenüber dem Dollar um 10 %, ist ihr Investment in Euro gerechnet nur noch 9.000 € wert, obwohl sich am US-Anleihemarkt nichts getan hat. Fällt der Euro hingegen, würde sie einen Währungsgewinn erzielen. Um solche Schwankungen zu vermeiden, wäre ein ETF auf Euro-Staatsanleihen die stabilere Wahl.
Das Zinsänderungsrisiko bei Anleihen
Das Zinsänderungsrisiko beschreibt eine einfache Regel: Steigen die allgemeinen Marktzinsen, fallen die Kurse von bereits ausgegebenen Anleihen mit niedrigerer Verzinsung. Das liegt daran, dass neu ausgegebene Anleihen attraktiver sind.
Eine Faustregel besagt, dass Anleihen mit kürzeren Laufzeiten weniger stark auf Zinsänderungen reagieren. Wenn du also Stabilität suchst, eignen sich breit gestreute Anleihen-ETFs mit kurzen bis mittleren Laufzeiten am besten.
Häufige ETF-Mythen im Faktencheck
Immer wieder kursieren die gleichen kritischen Argumente gegen ETFs. Wir haben die häufigsten für dich eingeordnet.
- „ETFs sind nur Durchschnitt.“ – Ja, und das ist ihre größte Stärke. Die Finanzaufsichtsbehörde BaFin bestätigt in Analysen, dass die meisten aktiv gemanagten Fonds es nach Kosten nicht schaffen, den Markt zu schlagen. Ein solider Durchschnitt zu minimalen Gebühren ist für die meisten Anleger daher die rationalere Wahl.
- „Wenn alle passiv investieren, funktioniert die Börse nicht mehr.“ – Ein theoretisches Problem, das in der Praxis weit entfernt ist. Es gibt nach wie vor mehr als genug aktive Marktteilnehmer, die für eine effiziente Preisbildung sorgen.
- „ETFs machen Crashs schlimmer.“ – Das Verhalten der Anleger ist entscheidend, nicht das Produkt. In Krisen kann es zu Verwerfungen kommen, aber ETFs sind durch verschiedene Mechanismen und professionelle Marktteilnehmer in der Regel jederzeit handelbar. Ein Ratgeber: ETF Sparplan kann dir helfen, emotionales Handeln zu vermeiden.
- „ETF plus Versicherung ist doch smarter.“ – Vorsicht vor teuren Kombiprodukten. Oft fressen hohe Gebühren für den Versicherungsmantel die Rendite auf. Prüfe immer genau, was nach Abzug aller Kosten über die Jahre für dich übrig bleibt.
Bist du bereit, die Theorie in die Praxis umzusetzen? Mit unserem Depot-Vergleich findest du schnell und einfach den Anbieter, der zu deiner Sparplan-Strategie passt.
Checkliste: So vermeidest du die häufigsten Anfängerfehler
- Langen Zeithorizont festlegen: Plane für Aktien-ETFs mindestens 10, besser 15 Jahre ein, um Marktschwankungen aussitzen zu können.
- Notgroschen aufbauen: Halte zwei bis drei Netto-Monatsgehäler auf einem Tagesgeldkonto als Puffer für unvorhergesehene Ausgaben bereit.
- Breit gestreut starten: Nutze einen globalen Aktien-ETF (z. B. auf den MSCI World oder FTSE All-World) als Basis für dein Portfolio.
- Kosten im Blick behalten: Achte auf eine niedrige Gesamtkostenquote (TER) und prüfe die Transparenz und das Fondsvolumen des ETFs.
- Strategie automatisieren: Richte einen Sparplan ein und halte daran fest, anstatt zu versuchen, den Markt zu timen.
- Regelmäßig überprüfen: Kontrolliere einmal im Jahr deine Depot-Aufteilung und passe sie bei Bedarf wieder an deine ursprüngliche Zielgewichtung an (Rebalancing).
Häufig gestellte Fragen
Fazit: Risiken managen statt sie zu meiden
ETFs sind kein Freifahrtschein ohne Risiko, aber sie sind ein hervorragendes Werkzeug, um die typischen Gefahren der Geldanlage effektiv zu managen. Sie ermöglichen es dir, mit geringem Aufwand breit zu streuen und die Kosten extrem niedrig zu halten. Mit der richtigen Mischung aus Aktien und sicheren Anlagen, einem ausreichend langen Zeithorizont und einem automatisierten Sparplan bleibst du auch dann handlungsfähig, wenn die Märkte turbulent werden. Der Schlüssel liegt nicht darin, Risiken zu meiden, sondern sie zu verstehen und kontrolliert für deine Ziele zu nutzen.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Ratgeber dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die hierin enthaltenen Informationen können eine professionelle Beratung nicht ersetzen.


