Geldanlage

Portfolio aufbauen: So mischt du dein Depot richtig

27. Juni 2025

Lesedauer: 12 Min

Ein junger Mann und eine junge Frau stehen an einem Tisch und bauen einen Turm aus Bausteinen

Ein starkes Portfolio aufzubauen bedeutet, die richtige Mischung aus Aktien, Anleihen und Cash zu finden, die zu deinen Zielen passt. Beginne mit einem Notgroschen, bestimme deine Aktienquote anhand deines Anlagehorizonts und deiner Risikotoleranz und halte dein Depot mit jährlichem Rebalancing einfach auf Kurs.

Auf den Punkt

  • Die richtige Mischung deiner Anlagen, auch Asset Allocation genannt, ist für deinen langfristigen Erfolg wichtiger als die Auswahl eines einzelnen perfekten ETFs.
  • Lege immer zuerst einen Notgroschen von zwei bis drei Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto an, bevor du mit dem Investieren beginnst.
  • Je länger dein Zeithorizont ist, desto höher kann dein Aktienanteil sein – aber investiere nur so viel in schwankende Anlagen, wie du emotional aushalten kannst.
  • Einmal pro Jahr solltest du dein Depot neu ausbalancieren (Rebalancing), um deine ursprüngliche Risikostufe beizubehalten und Gewinne clever umzuschichten.
  • Automatisierung gewinnt: Richte einen Sparplan ein, bleibe diszipliniert dabei und lass den Zinseszinseffekt für dich arbeiten.

Was ist ein Portfolio überhaupt? Mehr als nur eine Liste von ETFs!

Dein Portfolio ist die Summe all deiner Geldanlagen – und vor allem deren Aufteilung zueinander. Stell es dir wie einen Rucksack für eine lange Wanderung vor: Je nachdem, was du einpackst, kommst du gut durch sonnige Abschnitte und stürmisches Wetter. Aktien sorgen dabei langfristig für Wachstum (Sonnenschein), während Anleihen und Cash für Stabilität sorgen (Regenjacke und Proviant).

Die Kunst ist also nicht, die eine „perfekte“ Anlage zu finden, sondern die Kombination zusammenzustellen, die genau zu dir und deinem Weg passt.

Schritt 1: Die Vorbereitung – Notgroschen und Sparquote

Bevor du mit dem Investieren in ETFs startest, musst du ein stabiles Fundament schaffen. Das Wichtigste zuerst: Parke einen Notgroschen. Zwei bis drei Monatsausgaben auf einem gut erreichbaren Tagesgeldkonto geben dir die nötige Sicherheit. So musst du bei einer kaputten Waschmaschine oder einem Jobwechsel nicht panisch Anteile aus deinem Depot verkaufen. Auch die Verbraucherzentrale empfiehlt dies als allerersten Schritt vor jeder Geldanlage.

Als einfache Budgetregel für deine monatlichen Finanzen kannst du die 50-30-20-Regel nutzen:

  • 50 % für deine Fixkosten (Miete, Versicherungen, etc.)
  • 30 % für deine Wünsche und Freizeit (Essen gehen, Hobbys)
  • 20 % fürs Sparen und Investieren

Du schaffst aktuell nur 5 bis 10 %? Das ist auch völlig in Ordnung. Regelmäßig und dauerhaft zu investieren ist immer besser als auf den perfekten Moment zu warten, der nie kommt. In unserem Ratgeber: Warum du ein Tagesgeldkonto brauchst erklären wir dir alles, was du dazu wissen musst.

Schritt 2: Die Bausteine deines Portfolios verstehen

Dein Portfolio besteht aus verschiedenen Anlageklassen. Hier sind die wichtigsten Bausteine einfach erklärt:

  • Aktien: Das sind Anteile an Unternehmen. Sie bieten die höchsten Renditechancen, unterliegen aber auch den stärksten Schwankungen.
  • Anleihen: Das sind im Grunde Kredite an Staaten oder Firmen. Sie zahlen Zinsen und schwanken in der Regel deutlich weniger als Aktien. Sie sind der Stabilitätsanker in deinem Depot.
  • Cash/Tagesgeld: Das ist dein sofort verfügbares Geld. Es ist sehr sicher, bringt aber kaum Rendite und verliert durch die Inflation an Wert.
  • ETFs: Das sind börsengehandelte Fonds, die diese Bausteine als breit gestreute Körbe abbilden. Mit einem ETF kannst du kostengünstig und einfach in Tausende von Aktien, Anleihen oder andere Anlageklassen gleichzeitig investieren.

Schritt 3: Asset Allocation – So findest du deine perfekte Mischung

Die Aufteilung deines Geldes auf die verschiedenen Anlageklassen – die sogenannte Asset Allocation – ist die wichtigste Entscheidung für deinen Anlageerfolg. Sie bestimmt, wie stark dein Depot schwankt und wie gut du nachts schlafen kannst.

Stelle dir dafür diese drei einfachen Fragen:

  1. Wann brauchst du das Geld? (Dein Zeithorizont)
  2. Wie stabil ist dein Einkommen und wie groß ist dein Puffer? (Deine finanzielle Stabilität)
  3. Wie gelassen bleibst du, wenn die Kurse um 30 % fallen? (Deine persönliche Risikotoleranz)

Die Antworten auf diese Fragen übersetzen dein Ziel und deine Risikotragfähigkeit in eine passende Mischung aus Aktien, Anleihen und Cash. Eine bekannte Faustformel lautet „100 minus Lebensalter = Aktienquote“. Wenn du also 30 Jahre alt bist, könntest du 70 % in Aktien investieren. Aber das ist nur ein grober Anhaltspunkt. Fühlst du dich damit unwohl, reduziere den Aktienanteil. Wichtig ist nur, dass du deine einmal festgelegte Strategie nicht bei jedem Börsengerücht über den Haufen wirfst.

Deine persönliche Mischung ist das A und O

Es gibt keine allgemeingültige, perfekte Portfolio-Aufteilung. Deine persönliche Situation ist immer der entscheidende Faktor. Dein Anlagehorizont bestimmt, wie viel Zeit du hast, um Schwankungen auszusitzen. Deine finanzielle Stabilität legt fest, wie viel Risiko du dir objektiv leisten kannst. Und deine emotionale Risikotoleranz zeigt, wie viel Risiko du psychologisch aushältst, ohne in Panik zu geraten. Finde die Balance, die sich für dich richtig anfühlt, und halte daran fest.

Von der Idee zur Quote: Ein Beispiel

Lea (28) will für ihre Altersvorsorge in über 30 Jahren investieren. Sie hat einen sicheren Job und einen Notgroschen von drei Nettogehältern. Da sie viel Zeit hat und Schwankungen gut aushalten kann, entscheidet sie sich für eine offensive Mischung: 80 % Aktien-ETFs für das Wachstum und 20 % Anleihen-ETFs für die Stabilität.

Du hast deine Strategie gefunden und bist bereit, sie umzusetzen? Dann ist der nächste Schritt die Wahl des richtigen Depots, um deine ETFs zu kaufen.

Schritt 4: Die Umsetzung mit ETFs – Einfach und kostengünstig

Sobald deine Zielquote feststeht, kannst du sie mit passenden ETFs umsetzen. Für den Start eignet sich oft ein einziger, weltweit gestreuter Aktien-ETF (z. B. auf den MSCI World oder FTSE All-World) als Kern deines Portfolios.

Achte bei der Auswahl auf folgende Punkte:

  • Kosten (TER): Die Jahresgebühr sollte bei Standard-ETFs unter 0,3 % liegen.
  • Index: Der ETF sollte einen breiten, globalen Index abbilden.
  • Replikationsmethode: Physische ETFs kaufen die echten Aktien und sind für Einsteiger oft leichter verständlich.
  • Ertragsverwendung: Thesaurierende ETFs legen Gewinne automatisch wieder an und sind ideal für den langfristigen Vermögensaufbau.

Schritt 5: Rebalancing – So hältst du dein Depot auf Kurs

Dein Portfolio verändert sich mit der Zeit. Wenn der Aktienmarkt gut läuft, steigt der Anteil deiner Aktien-ETFs – und damit unbemerkt auch dein Risiko. Beim Rebalancing stellst du deine ursprüngliche Mischung wieder her. Das machst du am besten einmal im Jahr oder wenn deine Zielquote um mehr als fünf Prozentpunkte abweicht. Welche Risiken es noch gibt, kannst du in unserem Ratgeber: Risiken & Kritik an ETFs nachlesen.

Rebalancing im Praxis-Beispiel

Du startest mit 10.000 €, aufgeteilt in 70 % Aktien (7.000 €) und 30 % Anleihen (3.000 €). Nach einem starken Börsenjahr sind deine Aktien 20 % im Plus (jetzt 8.400 €) und deine Anleihen unverändert. Dein Portfolio ist nun 11.400 € wert, aber die Aufteilung hat sich auf ca. 74 % Aktien und 26 % Anleihen verschoben. Um zur alten Balance zurückzukehren, verkaufst du Aktien im Wert von 420 € und kaufst dafür Anleihen. So stellst du deine 70/30-Quote wieder her und sicherst gleichzeitig einen Teil deiner Gewinne.

Die letzte Phase: Wenn du dein Geld nutzen möchtest

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem du von deinem Ersparten leben oder dir etwas Großes leisten möchtest. Dafür gibt es zwei gängige Wege: Du entnimmst regelmäßig einen festen Betrag (z. B. per Auszahlplan) oder du lebst von den Erträgen (Dividenden und realisierte Gewinne).

Dabei spielt auch das Thema Steuern eine Rolle. In Deutschland hast du als Einzelperson einen jährlichen Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € (2.000 € für Verheiratete). Kapitalerträge bis zu dieser Höhe sind steuerfrei. Alle Gewinne, die darüber hinausgehen, musst du mit der Abgeltungsteuer (ca. 26-28 %) versteuern. Plane deine Entnahmen daher am besten schrittweise, um deine Steuerlast zu optimieren.

Checkliste für den Aufbau deines Portfolios

  • Notgroschen aufbauen: Lege 2-3 Monatsausgaben auf ein Tagesgeldkonto.
  • Sparquote festlegen: Bestimme, wie viel du monatlich investieren kannst, und automatisiere es per Sparplan.
  • Zielquote definieren: Kläre deinen Anlagehorizont und deine Risikotoleranz und lege deine Aktien-Anleihen-Mischung fest.
  • ETFs auswählen: Suche passende, kostengünstige und breit gestreute ETFs für deine Strategie.
  • Rebalancing einplanen: Überprüfe deine Portfolio-Mischung einmal im Jahr und passe sie bei Bedarf an.
  • Langfristig denken: Halte an deiner Strategie fest und lass dich nicht von kurzfristigen Marktschwankungen verunsichern.

Häufig gestellte Fragen

Fazit: Dein Portfolio auf Autopilot

Es gibt nicht das eine perfekte Portfolio für alle – es gibt nur das Portfolio, das perfekt zu dir, deinen Zielen und deiner Risikobereitschaft passt. Mit einem soliden Notgroschen als Fundament, einer klaren Zielquote, kostengünstigen ETFs und einem jährlichen Check-up (Rebalancing) bist du bestens aufgestellt. Der Rest läuft idealerweise automatisiert über deinen Sparplan, damit du dich entspannt zurücklehnen und dein Vermögen wachsen lassen kannst.

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