Lohnt sich das Altersvorsorgedepot für junge Leute?
Das Altersvorsorgedepot ist vor allem dann spannend, wenn du lange Zeit bis zur Rente hast. Förderung, Rendite und Kosten wirken über viele Jahre zusammen. Deshalb zeigt dir der Rechner nicht jede Steuerzeile, sondern die wichtigste Frage: Wie stark verbessert die Förderung dein Ergebnis gegenüber einem normalen ETF-Depot?
Das Ergebnis hängt besonders von Förderung, Kosten und Steuerannahmen ab. Ein rechnerischer Vorsprung ist keine Produktempfehlung. Prüfe vor einer Entscheidung auch Anbieter, persönliche Steuern und Auszahlungsregeln.
So funktioniert die Förderung ab 2027
Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr kommen 50 Cent je Euro Grundzulage. Auf weitere Beiträge bis 1.800 Euro kommen 25 Cent je Euro dazu. Die volle Grundzulage liegt damit bei 540 Euro pro Jahr. Für Kinder kann ein Elternteil zusätzlich bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr erhalten.
Für die neuen Verträge ab 2027 sind reguläre eigene Einzahlungen auf 6.840 Euro pro Jahr begrenzt. Bei der hier gleichbleibenden monatlichen Sparrate entspricht das 570 Euro. Zulagen und Erträge zählen nicht zu dieser Beitragsgrenze; gesetzliche Sonderübertragungen werden hier nicht simuliert. Beiträge über 1.800 Euro erhöhen die Zulage nicht. Der reguläre Beginn der Depot-Auszahlung liegt zwischen 65 und 70 Jahren, nicht bei 75. Ein früherer Beginn bei bestimmten gesetzlichen Altersleistungen ist ein nicht modellierter Sonderfall. Bei Eingaben außerhalb dieser Grenzen erscheint ein Hinweis statt einer Hochrechnung.
Wichtig: Kinderzulage ist keine automatische Zulage bis zu deiner Rente. Der Rechner fragt deshalb das Alter deiner Kinder zu Beginn des Modelljahres 2027 ab und berücksichtigt die Kinderzulage nur bis zur angenommenen Kindergeld-Dauer. Das ist eine Jahresvereinfachung, keine Prüfung einzelner Kindergeldmonate. Die Zulage muss dir zugeordnet sein. Für den optionalen Riester-Check ist zusätzlich das tatsächliche Geburtsjahr nötig: Bis einschließlich 2007 gelten bei alter Förderung 185 Euro, ab 2008 300 Euro pro Kind. Die neue AVD-Kinderzulage kennt diese Geburtsjahrgrenze nicht: Bei mindestens 120 Euro Jahresbeitrag beträgt sie je Kind 100 Prozent des Eigenbeitrags, höchstens 300 Euro. Der einmalige Berufseinsteigerbonus von 200 Euro setzt voraus, dass du zu Beginn des Beitragsjahres unter 25 und unmittelbar zulageberechtigt bist und mindestens 120 Euro Eigenbeitrag im Jahr leistest. Dein Alter beim Vertragsabschluss allein genügt nicht. Der Rechner setzt den Bonus nur auf ausdrückliche Bestätigung eines noch nicht genutzten Anspruchs im ersten Modelljahr an. Bereits erhaltene Boni werden nicht erneut angesetzt. Ohne unmittelbare Förderberechtigung setzt der Rechner die Förderung auf 0 Euro; die abweichenden Regeln für mittelbar berechtigte Ehepartner bildet er nicht ab.
Riester behalten oder wechseln?
Wenn du schon einen Riester-Vertrag hast, lohnt ein zweiter Blick: Für Geringverdiener mit mehreren Kindern kann die alte Riester-Förderung höher ausfallen. Für die volle Zulage brauchst du grundsätzlich 4 Prozent des maßgeblichen Vorjahreseinkommens, höchstens 2.100 Euro, abzüglich deiner Zulagen; mindestens jedoch 60 Euro Eigenbeitrag im Jahr. Die 60 Euro reichen also nicht immer. Bei weniger Eigenbeitrag wird die Zulage anteilig gekürzt. Das Altersvorsorgedepot koppelt die Förderung dagegen an deine Sparrate. Der vereinfachte Riester-Check vergleicht nur die laufenden Zulagen unmittelbar Berechtigter, nicht Vertragskosten, Garantien oder zusätzliche Steuervorteile. Neue Riester-Verträge gibt es voraussichtlich nur noch bis Ende 2026.
Wie behandelt der Rechner ungeförderte Beiträge?
Bei bestätigter Förderberechtigung unterstellen wir, dass deine Eigenbeiträge bis 1.800 Euro pro Jahr tatsächlich durch Zulagen oder Sonderausgabenabzug gefördert werden. Zusätzliche Steuererstattungen legen wir nicht wieder an. Beiträge darüber und sämtliche Beiträge ohne Förderberechtigung führen wir getrennt mit derselben Rendite und denselben Kosten fort. Bei diesen ungeförderten Beiträgen wird nicht noch einmal die Einzahlung besteuert, sondern nur ein positiver Ertrag.
Für den modellierten Auszahlungsplan setzen wir 20 Prozent Belastung auf das geförderte Guthaben und den steuerpflichtigen Ertrag des ungeförderten Teils an. Liegen bei Rentenstart mindestens zwölf volle Vertragsjahre und das vollendete 62. Lebensjahr vor, geht nur die Hälfte dieses Ertrags in die Steuerannahme ein. Der Vertrag beginnt im Modell mit dem ersten Sparjahr. Die 20 Prozent sind eine Annahme, kein gesetzlicher Steuersatz. Bei Verlusten rechnen wir keine Steuererstattung hinzu.
Das ist eine vereinfachte Bewertung zum Rentenstart, keine Simulation einzelner späterer Steuerbescheide. Die Monatsrate verteilt diesen Modellwert ohne weitere Rendite bis 85. Ein erst während der Auszahlung erreichter Zwölfjahreszeitraum, spätere Erträge, wechselnde Steuersätze, Sozialabgaben, eine lebenslange Rente und vorzeitige schädliche Verwendung sind nicht abgebildet. Zukünftige Gesetzesänderungen können beide Depotmodelle verändern.
Wie werden die ETF-Steuern gerechnet?
- Das Modell beginnt im Januar und kauft monatlich zum Monatsende Anteile eines thesaurierenden Fonds. Die Teilfreistellung richtet sich nach deiner Auswahl, nicht nach der Bezeichnung ETF. Ausschüttende Fonds und Immobilienfonds werden nicht abgebildet.
- Die Vorabpauschale verwendet den modellierten Fondskurs am Jahresanfang und ist durch dessen positive Jahreskursänderung begrenzt. Im Erwerbsjahr zählt der Kaufmonat mit: Januar 12/12, Dezember 1/12. Einzahlungen sind kein Kursgewinn.
- Der steuerliche Zufluss erfolgt am ersten Werktag des Folgejahres. Dafür nutzen wir den Pauschbetrag dieses Folgejahres. Bei einem Gesamtverkauf am Jahresende fällt für dieses Verkaufsjahr keine weitere Vorabpauschale an. Bereits angesetzte Vorabpauschalen mindern den Verkaufsgewinn vor Teilfreistellung, auch wenn sie durch den Pauschbetrag steuerfrei blieben.
- Januarzufluss und Verkäufe teilen sich einen einzigen verfügbaren Jahrespauschbetrag. Um keine zusätzlichen Einzahlungen vorauszusetzen, finanziert das Modell die Januarsteuer durch gebührenfreie Teilverkäufe der ältesten Anteile zuerst (FIFO), einschließlich der dadurch entstehenden Steuer. Das ist eine Rechenannahme, kein automatischer Service deines Brokers.
- Der Basiszins bleibt als Szenario bei 3,2 % jährlich. Das ist keine Prognose für die Jahre ab 2027. Gesetzlich wird er jedes Jahr neu bestimmt. Rendite, Fondseinstufung und verfügbarer Pauschbetrag bleiben im Modell konstant.
- Die Rechnung nutzt ungerundete Modellkurse und Bruchteile von Anteilen. Tatsächliche Kurstage, Cent-Rundungen beim Steuerabzug, Handelskosten, andere Kapitalerträge, Verlustvorträge, Günstigerprüfung, Kirchensteuer und spätere Rechtsänderungen fehlen. Eine persönliche Steuerabrechnung oder ein garantierter Vorteil lässt sich daraus nicht ableiten.
Altersvorsorgedepot oder normales ETF-Depot?
Das Altersvorsorgedepot punktet mit Förderung und steuerlicher Behandlung in der Ansparphase. Das normale ETF-Depot punktet mit Flexibilität, einfacher Verfügbarkeit und meist sehr niedrigen Kosten. Der Rechner vergleicht beide Wege mit derselben Sparrate.
Wichtig ist: Das Ergebnis ist keine Produkt-Empfehlung. Es zeigt, ob sich die Richtung lohnt. Die konkrete Entscheidung hängt später davon ab, welche Anbieter 2027 starten und wie teuer ihre Produkte wirklich sind.
Kosten: wo die Rechnung kippt
Förderung hilft nur, wenn die Kosten nicht zu hoch sind. Darum ist das Feld Depotkosten sichtbar geblieben. Selbst kleine Unterschiede können über Jahrzehnte viel Geld kosten. Die Kosten-Grenze zeigt dir, bis zu welchen Effektivkosten das Altersvorsorgedepot im Modell noch vorne liegt.
Für wen der Rechner besonders nützlich ist
Besonders hilfreich ist der Rechner für Berufseinsteiger, Azubis, junge Angestellte, nicht befreite Minijobber und junge Selbstständige. Studierende sollten prüfen, ob sie über einen Job tatsächlich förderberechtigt sind. Ohne Förderung kann ein normales ETF-Depot schnell die einfachere Lösung sein.